Sonntag, 27. März 2011

Wenn man keine Ahnung hat ...

... dann sollte man einfach mal auf Dieter Nuhr hören.

Und wer Dieter Nuhr nicht kennt, der macht Filme über Gentechnik, bzw. erzählt Blödsinn in der Anmoderation zu einer Filmvorstellung. Dieter Moor stellt bei „Titel, Thesen, Temperamente“ den neuen Gentechnik-kritischen Film „Gekaufte Wahrheit“ von Bertram Verhaag vor und es rollt mir bereits bei der Anmoderation die Fußnägel hoch.



Lohnt es sich, hier jedes einzelne Argument zu beleuchten? Hat es Sinn, den wissenschaftlichen Gehalt der Publikationen der märtyrerhaften Gentechnik-Gegner auszuwerten? Hat dieser bei der Diskussion überhaupt eine Bedeutung?

Ich bin seit einiger Zeit dabei, eine FAQ zu den meistgehörten Missverständnissen zur grünen Gentechnik zu erstellen. Pusztai, Seralini und Chapela dürfen da natürlich nicht fehlen ... Aber wenn man Beiträge wie diese dort oben sieht, weiß man nicht, wo man anfangen soll.

Bis dahin: Hat jemand Wünsche, welchen Aspekt man unbedingt mit in diese FAQ aufnehmen sollte? Was ist euer meistgehörtes Gentechnik-Missverständnis? Ist eine FAQ überhaupt das richtige Format? Ist es vielleicht besser, Einzelaspekte auch in einzelnen Artikeln abzuhandeln?



Kommentare:

  1. Ich fände es toll, wenn du ein wenig auf mögliche Interaktionen von nicht modifizierten und modifizierten Pflanzen eingehen könntest. Zwar vermute ich, dass so etwas nicht unbedingt eine sehr FAQ ist, aber mich würde interessieren, ob es dort zu negativen Erscheinungen kommen kann.

    Da ich es mit der Biologie nicht so sehr habe, versuche ich es mit einem hoffentlich nachvollziehbarem Vergleich. Ein kleines Gebäude mit kleinem Fundament verhält sich analog zur nicht genmanipulierten Pflanze. Um den „Ertrag“ zu steigern wird an der Höhe des Gebäudes geschraubt. Allerdings geht das nur bei gleichzeitiger Vergrößerung des Fundaments (unter Umständen der Halmdicke entsprechend). Für das neue, höhere Gebäude stellt das kein Problem dar, da ja an beiden Stellschrauben gleichzeitig gedreht wurde. Jetzt könnte es aber – nicht bei Häusern, aber bei Pflanzen – zu Kreuzungen kommen, bei denen nur ein Teil der Änderungen übernommen wird. Im Fall eines großen Gebäudes mit kleinem Fundament also der mögliche Ausfall der Ernte, um die Analogie zu verlassen.

    Auf den Großteil der landwirtschaftlichen Betriebe hier wird sich das vermutlich nicht auswirken, selbst wenn so ein Effekt eintreten könnte, da in Deutschland wohl fast ausschließlich Hybridsaatgut angebaut werden dürfte. Aber einen Teil von Saatgut „aus eigener Herstellung“ gibt es vermutlich auch noch hierzulande.


    Übrigens freue ich mich schon auf die angekündigten Passagen zu den erwähnten Wissenschaftlern im Film. Bei meinem Vater handelt es sich um einen Landwirt und auf einer von einem Saat- und Futtermittelhändler veranstalteten Versammlung wurde vor nicht langer Zeit Panik vor Gentechnik geschürt. Explizit wurde dabei auch der erwähnte Film „Gekaufte Wahrheit“ genannt. Was die Anwendung von Homöopathie oder anderer Praktiken geht, war ich bisher recht erfolgreich im Richtigstellen, aber bei der Thematik des Films bin ich diesbezüglich überfordert gewesen. Aufklärung ist nicht nur für die Verbraucher nötig, sondern auch für die Landwirte.

    AntwortenLöschen
  2. Auf Anhieb würde ich mir wünschen, dass du erklärst, was für ein weitumfassender Begriff Gentechnik überhaupt ist und was sie alles beinhaltet. Dann wäre noch gut, wenn du erklärst, wo überall Gentechnik mittlerweile schon eingesetzt wird (u.a. Nahrungsmittel und Medikamentenproduktion). Ein FAQ finde ich durchaus gut, weil es total übersichtlich ist und man praktisch immer wieder darauf zurückgreifen kann. Das meistgehörte Gentechnik-Missverständnis, dass mir immer wieder unterkommt, ist, dass die Gentechnik die Natur in böser Weise beeinflusst und dass so böse böse Monster entstehen können. Wirklich!

    AntwortenLöschen
  3. @Martin: Ich habe mir Moors Anmoderation angesehen (allerdings weder die darauf folgende Filmvorstellung noch den Film selbst). Er beschreibt sehr zutreffend ein grundsätzliches Problem der Wissenschaft, nämlich die interessengeleitete Finanzierung. Was hast du an dieser Anmoderation auszusetzen?

    @Sebastian R.: Was du als das "meistgehörte Gentechnik-Missverständnis" bezeichnest, ist schlicht und ergreifend ein Fakt (wenn man mal das von dir gleich mehrfach suggestiv eingeschobene Wörtchen "böse" weglässt):

    Gentechnik beeinflusst die Natur. Dem wirst du doch nicht wirklich widersprechen wollen, oder?

    Und es können Monster enstehen. Dazu die Definition von "Monster" aus der Wikipedia: "Monster [...] ist der Ausdruck für ein widernatürliches, meist hässliches und angsterregendes Gebilde oder eine Missbildung." Willst du etwa bestreiten, dass durch Gentechnik widernatürliche Gebilde erzeugt werden können?

    AntwortenLöschen
  4. Hallo liebes Anonym,

    wie schwer ist es, in ein Kommentarfeld Namen und E-Mail-Adresse einzufüllen?

    Was ich an der Anmoderation auszusetzen habe?

    Fast jeder Satz von Moor enthält eine Unwahrheit. So existiert Risikoforschung. Es existiert eine Menge öffentlich finanzierter Forschung zu grüner Gentechnik.

    Die Diskussion über „Natur“ und „Monster“ ist müßig. Wir beeinflussen seit unserer Existenz die Natur, und solange wir züchten, erschaffen wir Monstrositäten.

    AntwortenLöschen
  5. "Gentechnik beeinflusst die Natur"

    Gentechnik IST Natur, nämlich zielgerichtet und (hoffentlich) nutzbringend angewandt. Der Glaube, es gäbe überhaupt etwas anderes als "Natur" ist allein für sich schon völlig irre.

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über Kommentare! Ergänzungen, Kritik, Lob, oder was auch immer mit dem Artikel zu tun hat: bitte unten einfüllen. Danke. <blockquote>-Tags sind leider nicht erlaubt, nur <b>, <i> und <a>.