Dienstag, 24. August 2010

Atomkraft

Letztens meinte jemand, wenn man während der Recherche nicht mindestens einmal seine Meinung zum Thema geändert hat, hat man etwas falsch gemacht. Nun habe ich gar nicht recherchiert und doch hat sich meine Position zum Thema etwas verändert.

Ich war immer gegen Atomkraft: Es gibt keine „sicheren“ Endlager, eine Katastrophe wie in Tschernobyl hat zwar eine niedrige Eintrittswahrscheinlichkeit, wäre aber fatal und auch Uran ist eine endliche Ressource. Zudem ist der Betrieb von Kernkraftwerken nicht CO2-neutral. Eine Abschaltung der deutschen Kraftwerke hielt ich immer für sinnvoll. Langfristig gesehen müssen wir endliche fossile Energiequellen durch regenerative ersetzen, das schien mir klar. Länder wie Portugal machen es vor: 45% des Energiebedarfs wird dort aus regenerativer Energie, vor allem Windkraft, gewonnen. Im Jahr 2025 werden Irland, Dänemark und Großbritannien auch 40% oder mehr ihrer Energie „nachhaltig“ erzeugen.

Aber auch Elektrizität aus Wind, Wasser, Sonnenlicht sind nicht völlig umweltfreundlich, wie inzwischen jeder wissen wird. Flächenverbrauch, Störung von Vögeln, Lärm und Eingriff in Wasserläufe sind offensichtliche Probleme.

Die derzeitige Frage scheint aber zu sein, ob wir auf fossile und nukleare Energiequellen verzichten können, schließlich sind die Vorraussetzungen für den Ausbau regenerativer Energiequellen nicht überall so hervorragend wie in Portugal. Ich habe keine Zahlen, ob eine vollständige Versorgung mittelfristig möglich sein wird. Ein großes Problem scheint jedoch die Grundauslastung, also die konstante Bereitstellung von Elektrizität ohne Einfluss von Windflauten oder Sonne zu sein. Ob man dieses Problem durch geeignete Speichertechnik oder die ineffizienten Biomasse-Verbrennungsanlagen lösen kann? Kurzfristig scheint es keine einfache Alternative zu traditionellen Energieträgern zu geben.

Gehen wir davon aus, dass wir auf traditionelle Formen der Energieerzeugung nicht verzichten können, dann fällt mir ein Eimer Gedankenabfall ein.

Im Vergleich mit den anderen fossilen Energieträgern scheint Atomkraft sehr klimafreundlich zu sein: Die Emissionen betragen nur einen Bruchteil von Gas, Erdöl, Erdgas oder Kohle.

Trotzdem ist Atomkraft sehr teuer. Nicht nur die Gewinnung der Brennelemente, deren Transport und die Lagerung und letztendlich der Betrieb und der Abriss der Kraftwerke ist vergleichsweise teuer und aufwendig. Der meiste strahlende Müll ensteht übrigens beim „Abwracken“ der Meiler.

Dazu kommt die Endlagerproblematik. Einerseits stimmt es ja, dass wir die größte Sauerei bereits angerichtet haben und sich die Frage nach einem Endlager stellt, unabhängig, ob wir jetzt weitermachen, oder nicht. Und warum ist es überhaupt so schwierig, gerade für strahlende Abfälle sichere Endlager zu betreiben? Inwiefern wird denn hier „sicher“ definiert? Spielt hier nicht wieder die Mystifizierung von „radioaktiven“ oder „chemischen“ Stoffen eine Rolle?

Kohleverbrennung, Erdölförderung, ungefilterte Kohle- Holzfeuerung in Heimöfen, die Herstellung von Solarzellen und der Betrieb von Windkraftanlagen – all diese Arten der Energieerzeugung erzeugen Risiken für den Menschen und die Umwelt. Wie schneidet hier die Kernkraft ab? Ich meine, die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und die großflächige Umweltzerstörung durch den Kohletagebau zeigen, dass die Kernkraft in der Bilanz vielleicht doch nicht so schlecht abschneidet.

Der Themenkomplex ist so vielfältig und ideologiegeladen, politische und wissenschaftliche Entscheidungen gehen nicht immer Hand in Hand, dass ich weit davon entfernt von einem Standpunkt pro- oder anti-Kernkraft bin. Ich bitte um Entschuldigung für diesen klassischen Gedankenmüll-Eintrag. :) Für weitere neuronale Stimulation in der Kommentarspalte bin ich dankbar.

Kommentare:

  1. Ich schau es mir mal an, ist ja erfreulicherweise wirklich sehr umfangreich. Danke dafür!

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